Nitrat im Grundwasser – Welche Auswege gibt es?

Im Nettetaler Umwelt- und Klimaschutzausschuss stand jetzt ein hochaktuelles Thema mit weitreichenden Sorgen in der Öffentlichkeit auf der Tagesordnung: Grundwasserbelastung durch Nitrat, wobei es insbesondere um Gülle aus der Tierhaltung geht, aber auch um Gärreste aus Biogasanlagen und um konventionelle Stickstoffdüngung.

 

„Deutschland hat ein Gülleproblem“, so Ausschussvorsitzender Guido Gahlings von den Grünen einleitend. „Zuviel Gülle, zu viel Intensivtierhaltung, zu wenig Fläche und letztlich auch ein zu hoher Fleischkonsum.“ Laut Erhebung des Landesumweltamtes seien 46% aller Grundwasserkörper in NRW über dem zulässigen Grenzwert von 50mg/l mit Nitrat belastet. Besonders problematisch seien dabei große Bereiche des Niederrheins als „intensiv landwirtschaftlich genutzte Region“. Es gebe großen Handlungsbedarf, der sich auch darin zeige, dass die EU-Kommission Deutschland im November letzten Jahres beim Europäischen Gerichtshof verklagt habe werden ausbleibender Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers.

Über Ansatzpunkte zum Gegensteuern berichtete Christian Plaßmann, technischer Leiter der kommunalen Partner Wasser GmbH, einem Zusammenschluss der Wasserversorger in Nettetal, Grefrath und Kempen. In den freiwilligen Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft gehe es darum, die Nitratbelastung durch vertragliche Regelungen speziell in Wasserschutzzonen zu reduzieren, etwa durch zeitliche Einschränkungen bei der Gülleausbringung oder Auflagen bei der Bodenbewirtschaftung. „Dabei gibt es auch finanzielle Anreize“, so Plaßmann. „Gestaffelt nach dem Stickstoffwert im Boden gibt es Ausgleichszahlungen für die beteiligten Landwirte.“ In Nettetal würden 139 Betriebe in der freiwilligen Kooperation mitarbeiten, 89% der landwirtschaftlichen Flächen seien damit einbezogen.

Belegt durch umfangreiche Bodenproben seien im Rahmen der Kooperationen bereits erste Erfolge messbar. „Die Nitratbelastung geht zurück, auch wenn die Zielwerte in weiten Teilen noch nicht erreicht sind. Weiterer Optimierungsbedarf ist vorhanden“, fasste Plaßmann zusammen. Dabei seien aber auch veränderte Rahmenbedingungen wichtig, etwa eine deutliche Verschärfung der Düngeverordnung oder eine Änderung des Verbraucherverhaltens. „Nur wenn Politik, Verbraucher, Landwirtschaft und Wasserversorger zusammenarbeiten, können weitere Verbesserungen erzielt werden.“

Ausschussvorsitzender Gahlings schlug am Ende der regen Diskussion vor, dass vielschichtige Thema Gülle und Grundwasser im Abstand von 2-3 Jahren im Ausschuss erneut aufzugreifen, um die weitere Entwicklung im Blick zu behalten. Er erwähnte abschließend die Netzwerkinitiative Agrobusiness Niederrhein, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und am 25.04. erste Zwischenergebnisse bei einer Veranstaltung in Dülken vorstellen wolle.

Ansprechpartner bei Fragen oder Beschwerden:

Untere Wasserbehörde des Kreises Viersen 02162 / 391242

Landwirtschaftskammer NRW 02162 / 37060

Die Rheinische Post berichtete:

22.03.2017 https://rp-online.de/nrw/staedte/nettetal/immer-noch-zu-viel-nitrat-im-boden_aid-17950913

5-Punkte-Plan des Kreis Viersen vom 13.12.2018

https://www.presse-service.de/public/Single.aspx?iid=1004868

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